Schlange beim Philosophieren

 

Schlange beim Philosophieren

© Aramesh

 

Ein Würmchen möchte ich nicht sein,

ohne Gehirn und ziemlich klein,

zudem wird es beim Gartenjäten,

gezogen und auch mal zertreten.

So bin ich lieber eine Schlange,

und zwar ne ausgesprochen lange,

die Schlange aus dem Paradies,

die man zu Unrecht böse hieß.

 

Dabei wollt ich nur Eva testen,

ich schwör, ich tat’s zu ihrem Besten.

Sie lebte dort zwar wohlgestaltet

und hat den Garten gut verwaltet.

Doch war ihr Leben ziemlich träge,

und ihr Verstand mitnichten rege,

besonders Adam war sehr dumm

und lag im Garten lustlos rum.

 

So hat mir Eva anvertraut,

dass selbst der Sex nicht mehr hinhaut,

rundum nur pure Langeweile.

Ich sprach: „Zu Deinem Seelenheile

nimm diesen Apfel knackig rot!“

„Oh weh, da gibt’s doch ein Gebot!“

ruft sie laut aus und ist erschrocken.

„Beiß nur hinein“, tat ich sie locken.

 

Sie haben ihn zu Zweit genossen

und auch Erkenntnis ist geflossen.

Gott hat sie in die Welt entlassen,

vergaß auch nicht, mich abzupassen.

Vorbei des Nichtstuns süße Zeit,

Eva bekam ihr erstes Kleid

und Adam ohne Blatt vorm Mund,

geht täglich Gassi mit dem Hund.

 

Der Apfel ist ’alteingesessen’

und wird noch heute gern gegessen.

Der Mensch vertreibt sich Langeweile

durch Kriege, Kämpfe oder Keile.

Das Spiel, die Welt neu aufzubauen,

wird immer wieder umgehauen

und Sex gibt’s nun im Internet

und weniger im Ehebett.

 

Ich sitze hier auf meinem Stein

und wärm mich auf im Sonnenschein.

Als Schlange hab ich keine Bange,

doch fürchte ich, ein Mensch zu sein.

 

 

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