Engel mit einem Flügel

Engel mit einem Flügel
© Barbara Naziri

 

 

Die Sonne versank am Horizont. Kühl umarmte die Nacht das Ödland, das noch immer wie im Fieber glühte. Da klang es wie ein Seufzen. Die Wüste hauchte die Hitze des Tages aus. Augenblicklich schwebten zarte Schleier über ihr. Als sie sich lösten, trat der Mond hervor. Sein Schein glitt über die Sandkristalle, die zu glitzern begannen, als wollten sie es den Abertausenden Sternen gleichtun. Plötzlich tauchte ein fremder Stern am Himmel auf. Er funkelte in einer Reinheit, die alle übrigen Sterne überstrahlte. So wanderte er durch den Sternengarten, verhielt hie und da, begrüßte einen jeden Stern und schien etwas zu suchen. Ihm folgten wie ein Schweif Hunderte von winzigen Sternchen, die wie Diamanten schimmerten. Direkt über der Wüste verhielt er in seinem Lauf und sein Leuchten drang weit über die Grenzen der Öde hinaus. Er hatte seinen Platz gefunden.

Sein Glanz führte zwei Engel zusammen, die sich in der weiten Ebene verirrt hatten. Als sie einander gewahr wurden, eilten sie aufeinander zu. Hätten sie fliegen können, so wäre ihnen der beschwerliche Weg in der Einsamkeit erspart geblieben. Aber jeder von ihnen hatte nur einen Flügel. Seit dem Verlust ihres Flügels waren sie auf Wanderschaft, auf der Suche nach der Wahrheit. Schweigend standen sie einander gegenüber und blickten sich in die Augen. In ihrem Blick lag Vertrauen und eine stille Freude, einander gefunden zu haben. Doch in der Tiefe ihrer Augen lag unter der Hoffnung die Trauer begraben, die sie um den Verlust ihrer Flügel litten.

„Sei gegrüßt, Engel der Nacht! Mein Name ist Be“, sagte der Engel, der aus dem Norden kam.,,,

 

Wer wissen möchte, wie es weitergeht:

erfährt es bald im
Märchenspiegel der Aramesh
Barbara Naziri
Wien: Karina-Verlag 2017

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Nach oben


nPage.de-Seiten: Reiseliteratur mal ganz anders! | Urlaub an der Ostsee