zum 200. Geburtstag von Abdul Baha

Zum 200. Geburtstag von Abdul Bahai

Die Geburt des Stifters der Bahai-Religion, Baha’ullah, jährt sich am 22. Oktober 2017 zum 200. Mal. Dieses bedeutende Ereignis wird in den Bahai-Gemeinden weltweit mit besonderen Feierlichkeiten begangen.

Wer war Abdul Bahai?

Baha'u'llah (arabisch, "Herrlichkeit Gottes") wurde am 12. November 1817 in Teheran, Iran, geboren. Er wandte sich schon als junger Mann von einem wohlhabenden Leben ab, das er — sein Vater war Minister am Hof des Schahs — hätte führen können. Er opferte Freiheit und Besitz und widmete sein Leben der Verbreitung von Lehren, Grundsätzen und Gesetzen, die der geistigen Erneuerung der Menschheit und dem Frieden dienen sollen.

 

Wofür stehen die Bahai?

Die Baha’i-Religion sieht die ganze Menschheit als unteilbare Einheit und lehrt den Grundsatz der Harmonie zwischen Religion und Wissenschaft. Wesentliche Aspekte sind die eigenständige Suche der Gläubigen nach Wahrheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Toleranz ohne Vorurteile, die Stärkung der Familie und ein offener Meinungsaustausch. „Der Menschheit Fortschritt zu bringen und die Einheit in der Vielfalt sind wichtige Ziele“, sind sich alle einig.

Einen Klerus wie in den großen Weltreligionen gibt es bei den Baha’i nicht. Es wird Wert auf einen demokratischen Aufbau gelegt: Die Entscheidungsgremien werden regional und national jährlich gewählt, international alle fünf Jahre.

Mindestens 15 Jahre muss man alt sein, um sich selbst zum Baha’i erklären zu können. Grundlage sei die selbständige Suche und das Studium der Schriften, erklärt Cedric Lenk aus eigener Erfahrung. Gedrängt werde niemand, es sei die eigene, freie Entscheidung. Gemäß dem Baha’i-Kalender treffen sich die Gruppen einmal im Monat – der 19 Tage umfasst, das Jahr hat 19 Monate. Bei den Treffen gibt es einen Andachtsteil, es wird Organisatorisches besprochen und gesellig Zeit miteinander verbracht. Vor dem Frühlingsbeginn wird ein Fastenmonat eingelegt, ähnlich wie bei Muslimen.

Die Finanzierung erfolgt rein über Spenden aus dem eigenen Kreis. Die Gruppen sind offen nach außen und bieten regelmäßig Gesprächsmöglichkeiten an.

Verfolgung und Tötungen der Bahai

Baha'u'llah und andere Anhänger des Bab wurden von der islamischen Geistlichkeit und der Regierung des Iran, die den Anspruch des Bab als ketzerisch verwarfen, brutal verfolgt. Mehr als 20.000 Gläubige fielen den Massakern im Iran zum Opfer. Der Bab wurde verhaftet, geschlagen und eingekerkert. Am 9. Juli 1850 wurde er öffentlich in der nordiranischen Stadt Täbris von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Baha'u'llah wurde 1852 in ein berüchtigtes unterirdisches Gefängnis in Teheran gebracht, ein ehemaliges Wasserreservoir, wo er zusammen mit anderen Anhängern des Bab in schwere Ketten gelegt wurde.

Nach langer Kerkerhaft wurde Bahá'u'lláh nach Bagdad verbannt. Dort erklärte Er 1863 öffentlich seine Sendung als Gottesoffenbarer. In diesen Sendschreiben sagte Baha'u'llah den Anbruch eines neuen Zeitalters voraus.

Er forderte ferner die Herrscher auf, ihre Streitigkeiten beizulegen, die Rüstungen zu verringern und sich zu einem Staatenbund zusammen zu schließen, da nur kollektives Handeln den Krieg bannen und einen dauerhaften Frieden schaffen könnte.

Die iranische Regierung bestand auf weitere Verbannung Baha'u'llahs, die ihn zunächst nach Konstantinopel (Istanbul), Adrianopel (Edirne) und schliesslich in die Gefängnisstadt Akka/Israel führte. Gegen Ende seines Lebens wurde Baha'u'llah — obwohl das Urteil über seine Gefangenschaft noch in Kraft war — erlaubt, sich in dem Ort Bahji aufzuhalten, wo er am 29. Mai 1892 verstarb. Hier wurde ein Tempel errichtet, der zum Pilgerzentrum der Bahai wurde.

Bahai heute

Nach wie vor werden die Bahai im Iran massiv verfolgt. Sie gelten als unrein, dürfen keine Lebensmittel verkaufen, keine Schulen und Universitäten besuchen, sodass sie eigene gründeten, in der sich im Laufe der Jahre eine intellektuelle Schicht entwickelte. Bahai sind im Iran vogelfrei. Ausschreitungen und Tötungen gegen sie sind an der Tagesordnung und werden gesetzlich so gut wie nicht verfolgt, da sie meist auch vom Staat ausgehen.

 

 

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