YARAN - Profile der sieben Bahá’í -Freunde

Profile der sieben inhaftierten Bahá’í-“Führer”

Die Bahai sind die größte nichtmuslimische Minderheit im Iran. Die Regierung entrechtet sie systematisch und spricht ihnen sogar das Existenzrecht ab. Die sieben führenden Mitglieder der iranischen Bahá’í-Gemeinde, die Berichten zufolge zu 20 Jahren Haft verurteilt wurden, dienten der iranischen und der Bahá’í-Gemeinde schon seit langem. Sechs von ihnen wurden am 14. Mai 2008 in ihren Häusern in Teheran verhaftet. Die siebte, Frau Mahvash Sabet, wurde am 5. März 2008 während einer Reise nach Mashhad verhaftet.

Wochenlang wurden sie in Isolationshaft gehalten und hatten mehr als ein Jahr lang keinen Rechtsbeistand. Die sieben Personen bildeten eine inzwischen aufgelöste Gruppe, “Yaran” oder “Freunde im Iran” genannt, die sich um die geistigen und sozialen Belange der 300.00 Mitglieder zählende Bahá’í-Gemeinde des Landes kümmerte.

Verhaftung und Prozess gegen das Bahai-Führungsgremium

Die sieben Mitglieder des informellen Führungsgremiums waren zunächst alle im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert, wurden aber zwischenzeitlich getrennt. Die Männer befinden sich im Gohardasht-Gefängnis (auch "Rajai Shahr" genannt) in Karaj nordwestlich von Teheran. Die beiden Frauen befinden sich weiter im Evin Gefängnis. Sechs von ihnen wurden am 14. Mai 2008 in ihren Häusern in Teheran verhaftet, die Geschäftsführerin bereits am 5. März 2008 in Mashhad. Eine offizielle Anklage lag Monate lang nicht vor.

Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die zunächst die Verteidigung übernahm, bekam keinerlei Einsicht in die Akten und der Zugang zu ihren Mandanten wurde ihr verweigert. Wegen des noch stärker werdenden Drucks auf sie nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009, kehrte sie nach einer Auslandsreise nicht in den Iran zurück. Die Verteidigung wurde in Teheran von drei ihrer Kollegen wahrgenommen: Mahnaz Parakand, Hadi Elsmaielzadeh und Abdolfattah Soltani. Letzterer ist auf Grund seiner Arbeit als Menschenrechtsverteidiger zwischenzeitlich selbst zu 18. Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur ISNA meldete am 12. Februar 2009, dass die Angeklagten Bahai einem Revolutionsgericht überstellt würden. Die Anklage lautete angeblich auf "Spionage für Israel", "Beleidigung religiöser Gefühle" und "Propaganda gegen die Islamische Republik". Einige Wochen später kam ein weiterer Punkt hinzu: "Verderben stiften auf Erden", ein Delikt, das nach dem im Iran geltenden islamischen Recht mit dem Tod bestraft werden kann. Vertreter der Bahai weisen die Anschuldigung als frei erfunden zurück. Der für den 18.10.2009 angesetzte Prozesstermin wurde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben.

Am 12. Januar 2010 war schließlich der Prozess in einer kurzen Sitzung eröffnet worden. Regierungsnahen Medien zufolge lautete die Anklage gegen die Sieben am ersten Verhandlungstag auf "Spionage", "Propaganda gegen die islamische Ordnung", "Aufbau einer illegalen Organisation", "Zusammenarbeit mit Israel", "Versenden geheimer Unterlagen ins Ausland", "Handlungen gegen die nationale Sicherheit" und " Verderben stiften auf Erden". Bei einer weiteren kurzen Anhörung am 7. Februar 2010 waren hauptsächlich Verfahrensfragen geklärt worden. Später wurde den Rechtsanwälten mitgeteilt, dass der Prozess, der am 10. April fortgesetzt werden sollte, vertagt wurde.

Am 14. Juni fand schließlich eine nicht-öffentliche Verhandlung statt. Die Behörden informierten erst am 8. August 2010 die Anwälte der Verteidigung, dass die Mitglieder des siebenköpfigen informellen Führungsgremiums der Bahai-Gemeinde zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt seien, machten aber keine Angaben zu den Einzelheiten des Urteils.

Nach internationalen Protesten reduzierte das Gericht die Haftstrafen im Berufungsverfahren zunächst auf 10 Jahre im Gohardasht-Gefängnis in Karaj; die Untersuchungshaft wurde jedoch nicht angerechnet. Beide Urteile und die Urteilsbegründungen wurden bisher nicht veröffentlicht; die Anwälte der Verteidigung durften das Urteil nur wenige Minuten einsehen. Ende Januar bzw. Anfang Februar 2011 wurden zudem die Haftbedingungen für die Führungsmitglieder durch Verlegung in die Abteilung 4 bzw. in die Sektion 200 des wegen Folter berüchtigten Gohardasht-Gefängnisses drastisch verschärft. Nach neuesten Angaben wurde den Inhaftierten nun mündlich von der Gefängnisverwaltung mitgeteilt, dass ihre ursprüngliche 20jährige Haftstrafe wieder in Kraft gesetzt wurde. Die Reduzierung auf eine zehnjährige Haftstrafe wurde auf Betreiben des Generalstaatsanwaltes rückgängig gemacht.

Nach der Bekanntgabe des Urteils am 8. August 2010 sagte die Friedensnobelpreisträgerin, sie sei über die Haftstrafen „fassungslos". In einem Fernsehinterview, das am 8. August von dem persisch-sprachigen Dienst der BBC ausgestrahlt wurde, erläuterte sie: „Ich habe ihre Akte Seite für Seite gelesen und keinen einzigen Beweis für die Anklage gefunden. Ich habe auch kein anderes Dokument gefunden, das die Vorwürfe des Anklägers rechtfertigt." Das Urteil sei eindeutig politisch. Sie werde dagegen Einspruch einlegen und die Freilassung der Häftlinge fordern.

(Quelle: IGFM)

Liste in alphabetischer Reihenfolge:

Fariba Kamalabadi, geb. 12. September 1962 in Teheran, Entwicklungspsychologin und Mutter von drei Kindern, war aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements für die Bahá’í-Gemeinde in den letzten Jahren zweimal inhaftiert worden. Das eine Mal davon verbrachte sie 10 Tage in Isolationshaft.

Auch ihr Vater, ein Arzt, wurde in den 1980-er Jahren aufgrund seines Glaubens inhaftiert und gefoltert.

Als Bahá’í-Jugendliche wurde Fariba Kamalabadi nicht zum Studium an einer staatlichen Universität zugelassen. Mitte dreißig absolvierte sie ein achtjähriges Studium an der BIHE (Bahá’í-Institute of Higher Education), einer alternativen Hochschule, die von der iranischen Bahá’í-Gemeinde für junge Menschen, die keine Studienplatz erhalten, gegründet wurde.

Fariba Kamalabadi ist mit Ruhollah Taefi verheiratet.


 
Jamaloddin Khanjani, geb. 27. Juli 1933 in Sangsar, war ein erfolgreicher Fabrikbesitzer, der sein Unternehmen aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Bahá'í-Religion nach der Revolution 1979 verlor. Seine Ziegelstein-Fabrik – die erste vollautomatisierte im Iran - beschäftigte mehrere hundert Personen bevor sie Anfang der 80-er Jahre geschlossen werden musste.
 
 
Das ehrenamtliche Engagement von Herrn Khanjani innerhalb der Bahá'í-Gemeinde umfasste auch die Mitgliedschaft im Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í im Iran im Jahr 1984, vier seiner neun Mitglieder von der Regierung hingerichtet wurden. Später gelang es ihm, einen landwirtschaftlichen Betrieb auf Ländereien, die seiner Familie gehörten, zu errichten.
 
Die Behörden legten ihm jedoch so viele Beschränkungen auf, dass es schwierig war, den Betrieb zu erhalten. Die Beschränkungen erstreckten sich auch auf seine Kinder und Verwandten - Kredite wurden ihnen verweigert, ihre Geschäfte geschlossen, ihre Geschäftstätigkeit eingeschränkt und Reisen außerhalb Irans verboten.
 
Jamaloddin Khanjani war vor seiner Festnahme 2008 schon mindestens dreimal inhaftiert. Er und seine Frau Ashraf Sobhani haben vier Kinder und sechs Enkelkinder.

Afif Naemi, geb. 6. September 1961 in Yazd, ist Industrieller. Einen Teil seiner Jugend verbrachte er bei Verwandten in Jordanien, nachdem sein Vater verstorben war.

Seinen Lebenstraum, Arzt zu werden, musste er aufgeben, da ihm als Bahá’í die Hochschulausbildung verwehrt wurde. Stattdessen wandte er sich einer selbständigen Tätigkeit zu - eine der wenigen Beschäftigungen, die den Bahá’í offen steht - und übernahm die Textil-und Teppichfabrik seines Schwiegervaters.

Naemi ist schon lange im ehrenamtlichen Bahá’í-Dienst tätig. Er unterrichtete Kinderklassen, hielt Studienkreise für Erwachsene ab, unterrichtete an der BIHE und war Mitglied des Hilfsamtes, einer Position, in die er ernannt wurde, um zu inspirieren, zu ermutigen und das Lernen unter den Bahá‘í zu fördern.

Afif Naemi und seine Frau Shohreh Khallokhi haben zwei erwachsene Söhne.


Saeid Rezaie, geb.27. September 1957 in Abadan, Ingenieur der Agrarwissenschaft, verbrachte seine Kindheit in Schiraz. Hier absolvierte er seinen Abschluss an der Pahlavi-Universität.

Während der 1980-er Jahre, als die Bahá’í stark verfolgt wurden, zog er in den Norden des Iran und arbeitete hier eine Zeitlang als Manager eines landwirtschaftlichen Betriebs. Später zog er nach Kerman und arbeitete dort als Schreiner, weil es für Bahá’í schwierig war, eine offizielle Anstellung zu finden oder Geschäfte zu betreiben. 1985 eröffnete er mit einem Freund eine Firma für Landwirtschaftsmaschinen in der Provinz Fars, die sich erfolgreich entwickelte.

Rezaie dient der Bahá’í-Gemeinde schon seit seiner Jugend. Er unterrichtete viele Jahre lang Kinderklassen und förderte andere Bildungsprojekte. Außerdem ist er für sein umfangreiches Wissen der Bahá’í-Schriften bekannt und Autor mehrerer Bücher.

Er und seine Frau Shaheen Rowhanian haben zwei Töchter und einen Sohn. Die beiden inzwischen erwachsenen Töchter waren unter den 54 jungen Bahá’í, die 2006 in Schiras während eines Projektes für benachteiligte Jugendliche verhaftet wurden.

2006, vor seiner letzten Festnahme im Jahr 2008, wurde Saeid Rezaie verhaftet und 40 Tage lang in Isolationshaft gehalten.


Mahvash Sabet, geb. 4. Februar 1953 in Ardestan, wuchs in Teheran auf und machte dort an der Universität ihren Abschluss in Psychologie. Sie arbeitete als Lehrerin an mehreren Schulen und wurde Rektorin einer staatlichen Schule, bevor sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Bahá'í-Religion entlassen wurde und war etliche Jahre Rektorin der BIHE (Bahá’í Institute of Higher Education), einer alternativen Hochschule für Bahá’í-Jugendliche.


Foto: PEN international

Als qualifizierte Kraft arbeitete sie auch mit dem National Literacy Committee of Iran zusammen. Nach der Islamischen Revolution wurde sie jedoch wie Tausende andere Bahá’í-Lehrer entlassen und ihre weitere Beschäftigung an öffentlichen Schulen unterbunden. Sie ist zudem Schriftstellerin und Dichterin und Mitglied des PEN.

Sie und ihr Mann Siavash Sabet haben zwei erwachsene Kinder.


Behrouz Tavakkoli, geb. 1. Juni 1951, studierte Psychologie an der Universität und diente zwei Jahre als Leutnant in der Armee. Als Student wurde er in das örtliche Leitungsgremium der Universität Mashhad gewählt. Später diente er in einem ähnlichen Bahá’í-Gremium in Sari, bevor solche Einrichtungen Anfang der 80-er Jahre verboten wurden. So war er auch in verschiedenen Bahá'í-Jugendausschüssen und wurde Anfang der 80-er Jahre als Mitglied des Hilfsamtes ernannt.

Später arbeitete er als Sozialarbeiter in einer staatlichen Einrichtung, bildete sich weiter und spezialisierte sich auf die Fürsorge für physisch und psychisch Behinderte. Seine Anstellung verlor er jedoch Anfang der 80-er Jahre wegen seines Bahá’í-Glaubens. Daraufhin eröffnete er in der Stadt Gonābād einen kleinen Laden für Webteppiche, um seine Familie ernähren zu können. Dort bot er auch eine Reihe von Bahá’í-Studienklassen für Erwachsene und Jugendliche an.

Schon vor seiner derzeitigen Inhaftierung wurde er willkürlich verhaftet und war Drangsalierungen ausgesetzt. So verbrachte er vor seiner Festnahme bereits vier Monate ohne Anklage in Haft, davon die meiste Zeit in Einzelhaft. Seit seiner letzten Haft leidet er an schwerwiegenden Gesundheitsproblemen, unter anderem an Leber- und Gelenkerkrankungen.

Tavakkoli und seine Frau Tahereh Fakhri Tuski haben zwei Söhne. Einer von ihnen lebt in Kanada, der andere studiert Architektur an der BIHE.


Vahid Tizfahm, geb. 16. Mai 1973 in Urumiyyih. Schon 1981, zu Beginn der Islamischen Revolution, wurde sein Vater verhaftet, als er gerade 9 Jahre alt war.

Vahid Tizfahm arbeitete als Augenoptiker und besaß ein Optikfachgeschäft in Täbriz, bis er 2008 nach Teheran zog. Hier studierte er später Soziologie am ABSI, einem Zweig der BIHE. Mit seiner Frau Furuzandeh Nikumanesh hat er einen Sohn.

Seit seiner Jugend engagiert sich Tizfahm in verschiedenen Funktionen in der Bahá’í-Gemeinde. Eine Zeitlang war er Mitglied des Nationalen Jugendausschusses. Bis zu seiner Verhaftung war er Mitglied des Hilfsamtes, einer Gruppe von Beratern, die die Gemeinden berät.


Stand: Februar 2015

 

 

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