Norus - die Feierlichkeiten

Hadschi Firus
(Verkünder des Norus)

Ein noch am Leben erhaltener Brauch vor dem Norus, ist der Aufruf des Norus-Botschafters Hadschi Firus. Er ist ein rot gekleideter Mann und trägt auf dem Kopf einen Kolah-e Bughi (langer Magierhut). Sein Gesicht ist schwarz gefärbt. In seinen Händen hält er ein Dai’re sangi (Tamburin), während er durch Straßen und Gassen tanzt, fröhliche Lieder singt oder mit den Menschen seinen Schabernack treibt. Seine Aufgabe ist es, die Menschen zum Lachen zu bringen und jedem die gute Nachricht mitzuteilen: Der Frühling kommt, verjagt alle Sorgen verjagen, hebt eure Köpfe und seid fröhlich. Dazu habe ich das Gedicht Hadschi Firus geschrieben.

 

Sofreh-e Haft-Sin (Norus-Tisch)

Am Vorabend des Neujahrstages, brennt in jedem Zimmer des Hauses eine Kerze (Symbol des Lichts). Nun läuft die Vorbereitung für das Sofreh-e Haft-Sin. Dies gehört zu den wichtigsten Norusbräuchen und wird überall im Iran  gepflegt. Auf einem festlich gedeckten Sofreh (Esstuch), das in manchen Familien am Boden liegt, oder auf einem Tisch, werden sieben Gegenstände (pers. haft) ausgebreitet, die mit dem Buchstaben „S“ (pers. Sin) beginnen: Sabseh (Weizen- oder Linsensprossen), Samanu (eine süße Speise aus Weizenkeimen), Sir (Knoblauch), Serke (Essig), Somagh (saures Gewürz), Sib (Apfel) und Sendjed (Mehlbeeren). Außerdem kommen Seke (Münzen), häufig auch Sonbol (Hyazinthe) sowie Sepand (eine wilde Raute) – für den Weihrauch – hinzu. Zusätzlich werden ein Spiegel (Symbol für Reinheit), ein oder einige Goldfische, die in einem durchsichtigen Wasserkrug schwimmen, ein Stück Brot, bemalte harte Eier sowie Diwan-e Hafez (Gedichtband von Hafez), bei Zoroastriern eher das Awesta und bei Moslemen der Koran, gedeckt.

Die Jahreswende wird von allen mit Spannung und Aufregung erwartet, während sich alle um das Sofreh-e Haft Sin versammelt haben. Gleich nach der Ankündigung des Neuen Jahres, des ’Tahwil-e Sal’, umarmen sie einander, tauschen ihre Glückwünsche aus und naschen von den Süßigkeiten. Nachdem Norus begrüßt worden ist, wird ein Segensspruch gesprochen und im Diwan-e Hafez nach einer Voraussage gesucht. Das heißt, jeder schlägt für sich das Buch blind auf und der Vers, der sich dann zeigt, ist für ihn richtungweisend für das Neue Jahr. Religiöse Menschen sprechen ein Gebet und lesen im Koran. Dann überreicht der Familienälteste jedem ein Eydi - eine Festgabe, bestehend aus Geld oder einem Geschenk. Geldgeschenke werden mitunter im Koran oder im Diwan-e Hafez versteckt und daraus verteilt, sodass es als gesegnet gilt. Es müssen vor allem neue Noten sein. Darum druckt die Nationalbank zum Norus stets neue Geldscheine. Geschenke werden ausgetauscht, doch am Wichtigsten ist es, die Kinder zu beschenken oder neue Familienmitglieder (Braut oder Bräutigam) mit einem Norusgeschenk (Armaghan) zu beglücken, das entweder aus einer Goldmünze besteht oder etwas Besonderem nach ihrem Wunsch.
Danach setzt man sich zu Tisch, um das übliche Norusessen zu genießen: Frischer Weißfisch oder geräucherter Fisch mit Dillreis (Sabsi-Polo ba Ma´hi). Besuche bei Verwandten und Freunden und deren Gegenbesuche in den ersten zwölf Tagen des neuen Jahres gehört ebenfalls zum Norus. Dabei werden die Ältesten in der Familie und im Bekanntenkreis zuerst besucht aus Achtung vor dem Alter. Der Norusbesuch ruft alle zur Versöhnung auf und bietet Gelegenheit, Zerstrittene zu versöhnen.

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