Vorrede zum Internat. Frauentag am 8.3.13 zu der Bahai-Tochter: Mona, Engel von Schiraz

Vorrede zum Internationalen Frauentag am 8. März 2013 in Hamburg

Engel von Schiraz © Barbara Naziri

Mona Mahmudinedjad
 

Mona Mahmudnedjad war, als ihr Schicksal sie ereilte, gerade 16 Jahre alt, eine blühende Schönheit mit langen braunen Haaren und grünen Augen. Sie gehörte der Religionsgemeinschaft der Bahá'í an, die im Iran schon unter dem Schah und seinen Vorgängern massiv verfolgt wurde.

Besonders nach der Islamischen Revolution nahmen die Verfolgungen an den Bahá'ís mit Gewalt zu und beunruhigten die junge Mona. Die Verfolgungen der Bahá'í machten selbst vor den Schulen nicht halt, d. h. die Kinder wurden schikaniert und der Unterricht immer wieder gestört, Studienplätze verwehrt oder die Eröffnung von Geschäften. Viele Bahá'í bedrohte man, ihrem Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren.

Der 23. Oktober 1982 veränderte schlagartig Monas Welt. An diesem Abend wurde die elterliche Wohnung im Auftrage der Staatsanwaltschaft von Schiraz von den Schergen des Regimes gestürmt. Der Vater wurde verhaftet und trotz Protestes der Eltern ergriffen die Männer auch Mona ohne Angabe von Gründen.

Obwohl Mona von ihrer Familie getrennt war, fand sie bald eine Ersatz-Familie im Seppah-Gefängnis, denn die Mitgefangenen kümmerten sich rührend um sie. Und seltsamerweise: Trotz der Tatsache, dass sie die Jüngste im Gefängnis war, gab ihnen Mona oft Zuversicht und beruhigte sie, um Haft und Verhöre durchzustehen. Das Gefängnis selbst war erschreckend überfüllt. Es fehlte an Einrichtungen, um die Grundbedürfnisse zu erfüllen. 80 – 90 Frauen mussten sich zwei Duschen teilen, einen Teller Suppe drei Frauen. Sie mussten sie mit den Händen schöpfen, weil man ihnen kein Besteck gab. Schlimmer als jede körperliche Einschränkung oder Entzug war jedoch für die Bahai die Tatsache, dass die Wachen ihnen nicht erlaubten zu beten.

Knapp eine Woche, nachdem sie inhaftiert wurde, fand Monas erstes Verhör einer Vier-Stufenbefragung im Seppah-Gefängnis statt. Das Ziel dieser Befragung war, die Beschuldigte zu schwächen und ihr das Selbstwertgefühl zu nehmen. Sie hockte an eine Wand gelehnt, während die Revolutionsgarden maskiert vor ihr thronten, was allein schon angsteinflößend war. Jetzt begannen die Beschimpfungen und zugleich wurden Fragen ständig wiederholt, sodass Mona das Gefühl bekam, sich im Kreise zu drehen. Alle Anwesenden hatten ihre Blöcke gezückt, um Monas Antworten zu notieren. Stundenlang musste sie sich diesen Befragungen aussetzen. Geleitet wurde alles von einem islamischen Richter, einem Mullah, der sie voll Abscheu musterte. Nun verlangten die Vernehmungsbeamten lautstark die Namen, Adressen und Telefonnummern aller Bahá'í in einer bestimmten Stadt, dann in ganz Iran, dann in der ganzen Welt. Auf jeder Stufe wurde sie gedrängt, ihren Bahá'í-Glauben zu verleugnen und zu einer Muslimin zu konvertieren. Doch sie blieb standhaft.

Später folgten etliche Verhöre, deren Fragestellung sich stets wiederholte. Mitunter wurden ihr auch zuvor die Augen verbunden, sodass sie niemals wusste, wie viele Leute sich im Vernehmungsraum befanden. Eines Tages führte man sie in den Keller des Gefängnisses und schlug ihr mit einem Drahtkabel die Füße blutig. Danach wurde Mona gezwungen, auf ihren blutenden Füßen zu laufen.

Im Januar 1983 brach eine weitere Verhörstufe an. Einen ganzen Tag lang wurden ihr immer wieder die gleichen Fragen gestellt, die sich ausschließlich um ihren Glauben drehten. Doch sie schwor nicht ab, obwohl ihr der Richter mit Hinrichtung drohte. Mona äußerte daraufhin klar, lieber hingerichtet zu werden, als ihrem Glauben abzuschwören.

Mona war ein Mensch, in deren Herzen die reine Liebe wohnte. Sie gab davon viel an ihre Mitgefangenen und erleichterte ihnen damit die schwere Zeit hinter den Gefängnismauern. Viele Frauen suchten sie auf, um ihr Fragen zu stellen oder sich von ihr trösten zu lassen. Mona machte keinen Unterschied zwischen Bahá'í -Gefangenen oder den anderen Inhaftierten. Zu allen war sie gleichermaßen freundlich, sang und sprach mit ihnen. Mitunter zog sie sich zurück und schrieb in ihr Tagebuch wunderbare Gedichte. Eines Tages inspizierte die Gefängnisleitung die Zellen und entdeckte ihre Schriften. Sofort wurde alles zerrissen, und zwar aus der Furcht heraus, es könne eines Tages damit Probleme geben.

Für die letzte Vernehmung wurde Mona frühzeitig geweckt und vorgeführt. Dieses Mal traf sie auf den Richter der Islamischen Revolutionsgarden, der alle Bahá'í Fälle in Schiraz behandelte. Diese Befragung war die kürzeste, jedoch gerade darum die dramatischste. Der Richter ließ sie nicht lange zu Wort kommen, sondern begann sie zu provozieren und zu beleidigen, indem er ihr vorwarf, dass ihre Eltern getäuscht und irregeführt seien und warf ihr weiterhin vor, ihnen auf ihrem Irrweg zu folgen. Daraufhin erklärte Mona: "Die Grundlage aller Religionen ist, dass nach einiger Zeit neue Propheten von Gott erscheinen, um die Menschheit zu führen. Aber wenn Sie versuchen, mich zu zwingen, eine Muslimin zu werden, würde ich sagen, dass nichts falsch ist mit dem Islam. Doch seine Anhänger sind unwissend, denn Mord und Terrorismus gehören da nicht hin. Und das kann jeden Tag in diesem Gefängnis bewiesen werden. Dies ist einer der Gründe, warum ich eine Bahá'í geworden bin.“

Am Vorabend des 18. Juni 1983 wurden im Schutze der Dunkelheit zehn Frauen zu einem abgelegenen Polofeld gebracht. Die Jüngste unter ihnen küsste das Seil, bevor sie es ihr umlegten und sprach ein Gebet auch für ihre Peiniger.

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Die Geschichte der Baháí in Kurzform:
Die weltweit verbreitete Religion der Baháí (bahā'ī) beruft sich auf die Schriften ihres Religionsstifters Baha'ullah (1817–1892) und wird über die Grenzen hinaus vertreten.
In ihrem Ursprungsland Iran bilden die Baháí die größte religiöse Minderheit, sind aber starken Verfolgungen ausgesetzt. Die ursprünglich aus dem Babismus hervorgegangene Universalreligion lehrt einen abrahamitischen Monotheismus eigener Prägung, in dessen Mittelpunkt der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit in ihrer Mannigfaltigkeit steht. Die Baháí vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision der gesellschaftlichen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts verpflichtet fühlt. Die iranische Regierung hat den Druck auf die über 300.000 Anhänger der iranischen   Baháí in den letzten Monaten erheblich verstärkt. In der Islamischen Republik Iran werden regelmäßig Berufsverbote über die Baháí verhängt, jungen Menschen das Studium versagt. In 25 Branchen ist es den Baháí verboten zu arbeiten, da sie als "Unreine" bezeichnet werden. Mehr als einhundert Baháí sind derzeit in iranischen Gefängnissen.

Bahai werden im Iran seit ihrer Religionsgründung verfolgt. Die Ziele sind, in Liebe und Güte zu leben und eine Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau zu leben. Zudem ist es eine der Regeln der Bahai-Religion, sich aus der Politik herauszuhalten.

Eines von den 12 Bahai-Geboten lautet:
Mann und Frau sind wie die Flügel eines Vogels.
Eines kann ohne den anderen nicht fliegen.

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