Carina Schmidt (Main-Spitze): Land zwischen Hoffen und Bangen


Main-Spitze / Rhein-Main-Presse

 

Carina Schmidt:
Land zwischen Hoffen und Bangen


NEUERSCHEINUNG „Grüner Himmel über schwarzen Tulpen“
im Rüsselsheimer Christel-Göttert-Verlag

Als ein „Kind der vier Winde“, so beschreibt sich Barbara Naziri selbst in ihrem Buch. Ihre Mutter war eine Deutsch-Dänin mit jüdischen Wurzeln und ihr Vater iranischer Herkunft. Aufgewachsen in Hamburg, schlugen sich diese multi-kulturellen Wurzeln in einem unerschrockenen Charakter und einem übermächtigen Drang zur Freiheit nieder. Keine Frage, dass sie ohne Scheu alleine und als Frau in das Heimatland ihres Vaters reiste. Ihr erster Aufenthalt im Iran nach der Islamischen Revolution war 1986. In über zweieinhalb Jahrzehnten sollten mehr als acht Reisen folgen, bei denen sie ihre Familie besuchte und Ausflüge quer durchs Land unternahm.

Dichte Alltagsbeschreibung aus der Innensicht der Iraner

Ihre Erlebnisse schrieb sie in einer bemerkenswert eigenen und starken Bildsprache nieder. Während sie die dunklen Kapitel der Vergangenheit und Gegenwart Irans schildert, wechseln Naturbeschreibungen mit Dialogen der massiv unterdrückten Bevölkerung über ihre gesellschaftliche Situation, die sich - trotz staatlicher Repression - um eine friedliche grüne Demokratiebewegung bemüht.

„Grüner Himmel über schwarzen Tulpen“ ist ein Erfahrungsbericht aus west-östlicher Sicht über Folgen von Fundamentalismus und Diktatur in einem Land, wo die Menschenwürde „einem aufgespießten Schmetterling“ gleicht. Es ist eine Dokumentation über das Leben des iranischen Volks nach dem Sturz des Schahs 1979, nach der Machtergreifung Chomeinis, während des Irakkrieges gegen Iran und vor der umstrittenen Wiederwahl des Diktators Ahmadinejad im Jahr 2009.

Naziri beschreibt den Iran von innen heraus. Sie erzählt, was die Situation eines Landes, das immer unter Besatzung war, mit seiner Bevölkerung macht. Es werden mutige Menschen porträtiert, die mit ihrem Erfindungsreichtum über sich hinaus wachsen, die friedlich mit Luftballons für Reformen demonstrieren. Sie zeigt starke Frauen, die in den Parkanlagen Teherans protestieren, um Rechenschaft für ihre Söhne einzufordern, welche während der Aufstände am 12. Juni 2009 ums Leben kamen oder spurlos in Kerkern verschwanden. Dabei ist die Autorin stets mitten im Alltagsgeschehen dabei, oft selbst betroffen, wenn sie etwa festgenommen wird oder auf einem Basar knapp einem Bombenanschlag entgeht. Diese unmittelbare Nähe macht es möglich, etwa den Unmut der Iraner über die amerikanische Politik nachzuvollziehen. Sie erklärt, warum es für die jungen Menschen schwierig ist, gegen die korrupten Strukturen wie den Wahlbetrug vor zwei Jahren anzukommen.

Hilferuf an den Westen und Liebeserklärung an den Iran

„Grüner Himmel über schwarzen Tulpen“ ist somit auch ein Hilferuf an Zivilgesellschaft und Politik im Westen, die Menschen im Iran nicht im Stich zu lassen. Es ist aber auch Kritik an der verzerrenden medialen Berichterstattung, bei der Bilder von den friedlichen Demokratie-Bemühungen neben denen von gewaltbereiten Anhängern Ahmadinejads in den Hintergrund geraten. Das Buch ist somit eine Mischung aus Vermittler zwischen Osten und Westen sowie eine Liebeserklärung an den Iran. Das Ganze geschieht in einer Erzählweise, die teils humorvoll, teils lyrisch, teils drastisch und stets lebendig ist.

Barbara Naziri ist Mitbegründerin des Hamburger Flüchtlingsrats und des Deutsch-Ausländischen Kulturvereins A.G.D.A.Z. Neben ihrer Arbeit in der Bibliothek studierte sie Iranistik.

11.05.2011 - Rüsselsheim

 

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