Zum Fest der Liebe (Gedicht)

Das Fest der Liebe
© Aramesh

  

Von drauß‘ vom Walde
komm ich her,
ich muss euch sagen,
den gibt’s bald nicht mehr.

All überall auf den Tannenspitzen
sah ich den sauren Regen blitzen,
die Zweige morsch und abgestorben,
die Tannennadeln braun geworden.
Nun tropft das Harz vom kranken Stamm
und an der Rinde nagt der Schwamm.

An stiller Stelle und verschwiegen
hat mancher seinen Giftmüll liegen.
Der Boden ist davon verseucht
und alles, was dort kraucht und fleucht,
wird auf die Dauer auch verderben –
Wo seid ihr nur? Der Wald wird sterben.

Es blenden in der Stadt die Lichter.
Wie müde wirken die Gesichter
im Scheine der Neonreklamen.
Passanten eilen mit lahmen Armen,
an denen schwere Tüten baumeln,
womit sie durch die Läden taumeln.

Ich les, als ich mal stehenbleibe:
’Einkauf mit Herz’ an einer Scheibe.
Dort steht ein Weihnachtsbaum ganz chic,
verbraucherfreundlich in Plastik
in Glitter und Elektrokerzen.
Doch rührt er nicht mehr unsere Herzen.

So mancher wahrt sich seinen Traum,
kauft einen echten Tannenbaum,
aus angebauten Zuchtbeständen,
schmückt ihn daheim mit eigenen Händen.
Doch wird der Blick schnell abgelenkt,
von dem, was unterm Baum versenkt.

Geschenke türmen sich in Massen,
wer da nicht mithält, ist verlassen.
Juche! Es lebe der Kommerz
und auch das edle Geberherz!
Dazu singt froh man Weihnachtslieder,
Ach ja und „Alle Jahre wieder…“

Zur Weihnachtszeit gehört Erbarmen,
beschenkt wird mancher von den Armen,
auch jener, der am Wegrand saß,
den man bei jedem Schritt vergaß.
Hielt er uns bittend hin die Hand,
hat man sich einfach abgewandt.

Nun ist er in der Nacht erfroren,
in der der Heiland ward geboren.
Die Nachricht flimmert für Sekunden
am Bildschirm, dann ist sie verschwunden.
Man schweigt und gibt sich keine Blößen,
es folgt der Gang mit Gans und Klößen.

Nach drauß zum Walde geh ich hin,
such traurig nach der Weihnacht Sinn.
Da strahlt ein Licht in dunkler Nacht,
so rein, von Engelhand entfacht,
es leuchtet mir ganz tief ins Herz,
vorbei sind Finsternis und Schmerz.

In mir klingt eine alte Weise
und Engelsstimmen flüstern leise:
Ihr Menschen kommet und seid heiter!
Die Liebe, sie lebt immer weiter.

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