Geschichte Irans-3 (Überblick)

Die Araber und der Islam (637 – 1050 n. Chr.)

Die Stämme der Arabischen Halbinsel hatten während der Zeit der Sasaniden immer wieder versucht, in sasanidisches Gebiet vorzudringen. Mohammad und der neue Glaube einte die verfeindeten arabischen Stämme und gab ihnen ein gemeinsames Ziel, das nicht vordergründig nach weltlichem Reichtum strebte, sondern die heilbringende Religion des Islam verbreiten wollte. Die Araber gingen zum Angriff über, sie eroberten und zerstörten die ehemalige Hauptstadt der vorangegangenen persischen Dynastien und gewannen 642 die entscheidenden Schlachten bei Nehavand und Qadesiyeh. Nach dem Tod des letzten Sasandinenkönigs Yazdegerd III.( 632-652 n. Chr.) übernahmen 650 die Araber endgültig die Macht im Iran und die Epoche der persisch-orientalischen Antike ging unwiederbringlich zu Ende.


Miniaturkunst jener Zeit

Mit dem Beginn der islamischen Ära änderte sich nicht nur die Religion, sondern auch die Lebensweise und Kultur, die gesellschaftlichen Strukturen und sogar die Zeitrechnung. Der Großteil der Bevölkerung, welche von dem streng hierarchisch gegliederten Gesellschaftssystem des sassanidischen Adels unterdrückt worden war, nahm den neuen Glauben, der die Gleichwertigkeit aller Menschen propagierte, mit offenen Armen an. Zunächst gelang aber keine politische Umsetzung dieses Prinzips und die Dynastie der Umayyaden regierte von Damaskus aus über die gesamte islamische Welt mit harter Faust. Unzufriedenheit führte im Iran zu Revolten und Aufständen und es gelang, die nicht mit Mohammad verwandte umayyadische Dynastie zu stürzen und die vom Propheten abstammende Familie der Abbasiden 750 an die Macht zu bringen. Obwohl die arabische Sprache und Schrift zur Norm im täglichen Gebrauch wurden, spielte die persische Kultur in dieser Zeit eine große Rolle.

Im 9. Jahrhundert fielen, wie zuvor die Umayyaden, auch die Herrscher der Abbasiden von den islamischen Grundsätzen ab und entfremdeten sich von der Bevölkerung. Dies und auch enorme Abgabenforderungen waren die Grundlage für erneute Aufstände. In Folge dessen errangen die Perser politische Unabhängigkeit von den Abbasiden, und es entstanden neue lokale Dynastien. Während die der Taheriden (820-872), der Saffariden (868-903) und der Samaniden (874-1042) der sunnitischen Richtung des Islams angehörten und zählten der Ziyariden (928-1042) und Buyiden (942-1055) zu den Schiiten, alle kämpften jedoch für den Erhalt der persischen Sprache und Kultur.


 

 

Der türkisch-mongolische Vorherrschaft (1050 – 1500 n. Chr.)

Doch auch diese lokalen Dynastien konnten ihre Macht nicht allzu lange halten. Die Samaniden wurden zu abhängig von türkischen Soldaten, die sich schon bald von ihren Dienstherren unabhängig machten und die Dynastie Ghaznawiden (998-1045) gründeten.

Diese wurden von den Seldjuken, einem aus Zentralasien stammenden Turkvolk, welche um die Jahrtausendwende den islamischen Glauben angenommen hatten, verdrängt, als diese um 1040 anfingen, den Iran, Mesopotamien, Syrien und Palästina, und Mitte des 11. Jahrhunderts auch die Türkei, zu erobern. Durch deren Einnahme Jerusalems wurde den europäischen Christen auch der entscheidende Anlass gegeben, die Kreuzzüge zu beginnen.

Die Seldjuken regierten von Ray, Hamadan und Isfahan aus; letzteres eroberten sie 1051 und machten es zu ihrer Hauptstadt. Die im Iran vorgefundene Zivilisation beeindruckte sie so sehr, dass sie in allen Bereichen deren Kultur annahmen und es kam zu einer neuen Blüte der persischen Kunst, Literatur und Wissenschaft. Als herausragende Geister sind der Poet und Mathematiker
Omar Chayyām und auch der Großwesir Malik Shah zu erwähnen. Da die Seldschuken im Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung zu den Sunniten gehörten, wurden Religionsschulen errichtet, um die sunnitische Glaubensrichtung weiter zu propagieren.

Für Hasan-e Sabbah waren die Sunniten Ungläubige und er gründete 1090 die radikale Sekte der
Assassinen sagte der Seldjukenherrschaft den Krieg an und gründete eine lokale Dynastie, die mehr als 160 Jahre Bestand haben sollte. Die Assassinen ermordeten Tausende von Menschen und es gelang den Seldjuken bis zum Ende ihrer Herrschaft nicht, dieser Bedrohung Herr zu werden. Erst der Mongolenfürst Hulagu eroberte und zerstörte deren Festung 1250 und konnte die Gemeinschaft der Assassinen endgültig zerschlagen.


Mördersekte der Assassinen

Anfang des 13.Jahrhunderts wurde das Land ein weiters Mal von innerasiatisch-türkischen Eindringlingen heimgesucht und überrannt, als nach 1200 der Mongolensturm unter dem mächtigen Fürsten Tschingis Khan begann, und dieser Zentralasien an sich riss und in den Nordiran einfiel. Um 1250 eroberte sein Nachfolger Hulagu ganz Persien, stürzte damit die abbasidische Dynastie und aus Persien und Mesopotamien entstand das mongolische Ilkhanidenreich (1259-1335), welches später von Peking bis Istanbul reichte.

Für Persien hatte der blutige Sturm der Mongolen katastrophale Folgen, denn die wilden Reiterhorden ermordeten Tausende von Menschen, plünderten die Städte und brannten alles nieder, was für die ohne Wert war, sodass viel von der dokumentierten Geschichte Persien verloren ging. Die vormals nomadischen Mongolen siedelten sich in dem zerstörten Land an, nahmen die islamischen Glauben an und begannen die Städte wiederaufzubauen. Unter dem Herrscher Mahmud Ghazan Khan wurden die Verhältnisse im Land wieder geordnet, es entstand ein zentrales Verwaltungssystem und die Einheit des Landes wurde wieder hergestellt. Dies war die Grundlage um Handel zu betreiben und die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Das führte zu einer wirtschaftlichen Blüte des Landes und war gefolgt von einer regen Bautätigkeit, insbesondere im sakralen Bereich, und der Förderung persischer Literatur und Künste. Es fiel auch in diese Zeit, dass Farsi langsam arabisch als Umgangssprache ersetzte. Das Ilkhanidenreich fand 1335 ein Ende, als der Sultan Abu Saids ermordet wurde, es zu Erbstreitigkeiten kam und das Land in kleinere Fürstentümer zersplitterte.

Das alles begünstigte 1381 die dritte aus dem Norden kommende mongolisch-türkische Invasion der Timuriden, die von Timur Leng (Tamerlan) angeführt wurde. Für das Land war dieser Einfall ähnlich folgenschwer wie einst der Mongolensturm und es kam wieder zu grausamen Massenhinrichtungen und Zerstörungen der Städte. Nachdem er die Gebiete von Mesopotamien und Kleinasien nicht lange halten konnte, zog er sich nach Persien und Kleinasien zurück, gründete die Dynastie der Timuriden und residierte in seiner Hauptstadt Samarqand, welche er sich aufs prunkvollste ausstatten ließ. Doch auch im Iran entstanden großartige Bauten und die typischen blauen Kachelverzierungen und die Fliesenmosaike an timuridischen Bauten lassen noch heute das hohe künstlerische Können dieser Zeit erkennen.

Nach dem Tod Timurs 1405 begann das Reich zu zerfallen. Im Osten bestand die Dynastie zwar für einige Zeit weiter, doch im Westen machten sich einige kleinere Fürstentümer unabhängig, daneben gewannen in dieser Region auch die beiden turkmenischen Stämme Qara Qoyunlu (Schwarze Hammel) und Aq Qoyunlu (Weiße Hammel) zunehmend an Macht und beanspruchten ihr eigenes Territorium. Aber während des gesamten 15.Jahrhunderts wurde das Land von mehreren Kleinfürsten und von keiner Zentralgewalt beherrscht.


 

 

Die Safawiden und das dritte persische Reich, 1502- 1722 n. Chr.

Die Safawiden-Dynastie begann ganz langsam, als der sunnitische Derwisch Shaikh Safi al-Din Is’haq im frühen 14.Jahrhundert eine Sufi-Ordensgemeinschaft gründete, die bis Ende des 15.Jahrhunderts in der Hand seiner Familie blieb. Gegen Ende des 14.Jahrhunderts trat Sheikh Safis Enkel Khwadjeh mit allen Ordensangehörigen zum Schiitentum über. Die schiitische Bevölkerung des Landes war fast 500 Jahre lang von den, hauptsächlich der sunnitischen Glaubensrichtung angehörigen, türkisch-mongolischen Herrschern unterdrückt und verfolgt worden. In dem Orden suchten und fanden sie Schutz, es formierte sich der Widerstand gegen die sunnitischen Machthaber und die Bewegung versuchte überall im Land die Armen und Unterdrückten zu unterstützen und ihre Forderungen auch mit Waffengewalt durchzusetzen.

Ismail I. (1501-1524) übernahm dann schließlich den persischen Thron, begründete die Dynastie der Safawiden und erklärte das Schiitentum zur Staatsreligion, die es auch bis heute im Iran geblieben ist. Er eroberte in kürzester Zeit ganz Persien und unter ihm erreichte das safawidische Reich, welches von Turkmenistan bis Afghanistan und von der Grenze zu Anatolien bis zum Euphrat im Irak reichte, fast die Größe des sasanidischen Imperiums. Der Osmanen-Kalif Selim I. fühlte sich durch die aufsteigende Macht und Ausdehnung des schiitisch-safawidischen Reiches bedroht und es kam im Sommer 1514 zu einer Schlacht, die die safawidische Armee verlor und Ismail I. musste nach Osten fliehen. Er und seine Armee sollten zwar verfolgt werden, aber die türkischen Soldaten hatten keine Kraft mehr, meuterten und zwangen Selim I. sich wieder in die Türkei zurückzuziehen, womit dies der letzte große Vorstoß der sunnitischen Osmanen in den schiitischen Osten war.

Nachdem Ismail I. 1524 starb, erlahmte unter seinen Nachfolgern die Macht des Landes, es wurde permanent von den Osmanen und den Usbeken bedrängt und als 1534 der Osmanen-Kalif Sulaiman I. den gesamten Irak eroberte, sperrte er damit den weg der schiitischen Gläubigen zu ihren höchsten Heiligtümern.

Erst mit dem jungen Abbas I. (1588-1629) kam 1587 wieder ein starker Herrscher an die Macht, der das Land zu seiner absoluten Blüte führte. Er besiegte im außenpolitischen Bereich alle Widersacher, sicherte endgültig die Grenzen nach Zentralasien, ordnete die Verhältnisse im Süden des Landes und befreite im Irak die heiligen Stätten Nadjaf und Kerbela 1616 von den sunnitischen Osmanen.


Safawidenepoche

Das günstig gelegene Isfahan machte er zu seiner Residenz und ließ die Stadt ausbauen und prunkvoll gestalten. Mit Moscheen, Medressen, Karawansareien, Palästen inmitten von ausgedehnten Parkanlagen, öffentlichen Plätzen und einem ausgedehntem Straßensystem schuf er eine Stadt, die bis heute der Inbegriff des märchenhaften Orients geblieben ist. Als gläubiger Schiit ließ er die wichtigsten Heiligtümer in Mesopotamien ausbauen und glanzvoll gestalten, und im Iran selbst die heiligen Grabmäler in Mashad, Ghom und Ray herrichten, um damit einen Ersatz zu schaffen und eine religiöse Unabhängigkeit von den Arabern und Türken zu gewährleisten, falls für die schiitischen Pilger die Heiligtümer im Irak nicht erreichbar sein sollten. Des Weiteren förderte er im ganzen Reich neue Projekte und ließ Infrastruktur ausbauen, und mit weiteren innenpolitischen Reformen gedieh der Handel und der Staat wurde reich. Auch Kultur und Wissenschaft wurden von Schah Abbas unterstützt, und Architektur und Baudekor, Kunsthandwerk, Miniaturmalerei, die Kunst der Kalligraphie und Dichtung erreichten, ebenso wie die Geistes- und Naturwissenschaften, einen absoluten Höhepunkt. Er bescherte dem Land eine nationale Identität, Einheit und Unabhängigkeit, was ihm als ersten islamischen Herrscher Persiens den Beinamen “der Große” einbrachte. Nach seinem Tod bestieg keine große Persönlichkeit mehr den safawidischen Thron, am Hof breitete sich die Dekadenz aus und es setzte in vielerlei Hinsicht der Verfall ein.

1722 fielen Afghanen vom Osten her in das Land ein, belagerten unter ihrem Führer Mahmud Isfahan, schlachteten die Bevölkerung zu Tausenden ab und zerstörten die glanzvolle Stadt.

Tahmasp II. gelang es mit Hilfe des Generals Nadir die Stadt wieder zu befreien und die Afghanen zu vertreiben. Im Grenzgebiet zwischen Persien und Irak wurde er hingegen von den Osmanen besiegt, woraufhin ihn General Nadir entmachtete und 1732 dessen Sohn Abbas III. als Shah einsetzte, um sich in Ruhe auf eine komplette Machtübernahme vorzubereiten. Die Herrschaft der Safawiden endete, als General Nadir 1736 den Thron übernehmen konnte.

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