Geschichte Irans -1 (Überblick)

Schon seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Iran bezeichnet (eine Abkürzung des mittelpersischen Eran Schahr.* Die altiranische Form dieses Namens, Arya-na-m Xšara, bedeutet „Land der Arier“. Der Begriff Iran wird direkt von Arier hergeleitet.

Die im Abendland bis ins 20. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Persien geht erst auf die Zeit der Achämeniden zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Dessen Kerngebiet war die von den Griechen so genannte Landschaft Persis, die heutige Provinz Fars um Schiraz.

Erst 1935 ließ Reza Schah, im Zuge der Modernisierung, den Namen des Landes von Persien in Iran umändern. Damit wurde wieder die ursprüngliche Bezeichnung eingeführt.

* von edler Herkunft



 


Die Ursprünge

Man kann zwar nicht ganz genau sagen, wann sich die ersten Bewohner im heutigen Iran niedergelassen haben, aber man nimmt an, dass in der Jungsteinzeit kleine Gruppen von Jägern in Höhlen im iranischen Hochland gelebt haben.

Im Tiefland von Chusistan, welches nahe genug an Mesopotamien und dem Einfluss der sumerischen Hochkultur lag, entstand die Hochkultur Elams, welche in Susa ihre Hauptstadt sah und eine frühe Stadtkultur hervorbrachte. Hier entfaltete sich ein differenziertes Wirtschafts- und Handelssystem und es kam zu einem bedingten Aufkommen der Schrift. Elam entwickelte ein eigenes Schriftsystem und brachte trotz der ständigen Kontakte zu Mesopotamien eine eigenständige elamische Mythologie und Kunst hervor.

Während des elamischen Reiches in Chusistan und Fars gab es zahlreiche Dynastien.
Awan (2600-2100 v. Chr.)
Shimashki (2100-1900 v. Chr.)

Beide Dynastien hatten zahlreiche Kämpfe mit den Völkern von Mesopotamien und übernahmen zwar deren Keilschrift, entwickelten jedoch weiter ihre eigene Mythologie und Kultur.
Es folgten die

Epartiden-Dynastie (1900-1600 v. Chr.), die vermehrt mit den  Babyloniern in Auseinandersetzungen geriet
Igihalkiden-Dynastie (1400-1230 v. Chr.)

und um 1250 v. Chr. gründete deren König Untash-Napirisha (1275-1240 v. Chr.) die Tempelstadt Dur Untash.

Shutrukiden-Dynastie (1200-1100 v. Chr.) Unter ihr lebte König Shutruk-Nakhunte I. (1190-1155 v. Chr.), der ein erfolgreicher Heerführer und Bauherr war. Er ließ in Susa, im Garten des Inshushinaktempels, das erste „Museum“ der Welt errichten, welches Beutestücke aus den Eroberungszügen in Mesopotamien enthielt, unter anderem auch die bedeutende Gesetzesstele Hammurabis von Babylon und die Siegesstele des Akkadkönigs Naramsin.
Auch seine Nachfolger Kutir-Nakhunte und Shilhak-Inshushinak (ca.1150-ca.1120 v. Chr.) führten Feldzüge nach Mesopotamien durch. Ende des 9.Jahrhunderts v. Chr. werden die Elamier wieder als Feinde des assyrischen Königs erwähnt. Zwischen 750 und 650 v. Chr. scheint es in der Susiana einen neuen elamischen Staat gegeben zu haben, dessen Herrscher bald in Auseinandersetzungen mit Assyrien und Babylon gerieten. 740 v. Chr. zog der elamische König Humban-Nikash mit seinem Verbündetem aus Babylonien gegen Sargon II. von Assyrien in den Krieg und besiegte ihn 720 v. Chr.
Sein Nachfolger Shutruk-Nakhunte II. (716-699 v. Chr.) vereinte alle elamischen Stämme von Susa und Anshan zu einem Reichsverband. In der Schlacht am Ulai-Fluss (659 v. Chr.) wird der elamische König Tepti-Humban-Inshushinak vom assyrischen König Assurbanipal vernichtend geschlagen. Assurbanipal verwüstet das ganze Land, schlachtet den größten Teil der Bevölkerung ab und es beginnt der endgültige Niedergang Elams.



geflügelter Stier (Susa)

Gegen 1250 v. Chr. wanderten aus dem Norden die Protoiranier in das persische Hochland ein, zogen in südöstlicher Richtung weiter und ließen sich in der heutigen Provinz Fars nieder, von wo aus sie ihre Vormachtstellung im gesamten Vorderen Orient ausbauten. Von ihnen wird schon als Perser berichtet und von der Gruppe, die sich in der Gegend von Ekbatana niedergelassen hatte, als Meder.

Das gesamte soziale Leben und die religiösen Vorstellungen der Menschen des Hochlandes änderten sich durch das Eindringen der neuen Völkerstämme, was sich anhand von archäologischen Hinterlassenschaften belegen lässt.

Die Urartäer hatten ihr Gebiet vom westlichen Euphratbogen in Ostanatolien über das Gebirgsland um den Berg Ararat bis etwa nach Ardebil in Iranisch-Aserbaidjan. In assyrischen Quellen des 13. Jahrhunderts v. Chr. wird Urartu erstmals erwähnt und es wird von mehrfachen kriegerischen Auseinandersetzungen mit urartäischen Stämmen berichtet. Im 9. Jahrhundert v. Chr. schlossen sich die Stammesgemeinschaften der Urartäer unter assyrischem Druck zu einem Reich zusammen, wodurch Assyrien einen starken und wehrhaften Nachbarn im Norden hatte. 714 v. Chr. unterlagen sie letztlich doch Assyrien, konnten aber bis Anfang des 6. Jahrhunderts, in ihrem Kerngebiet um den Berg Ararat als relativ unabhängiges Reich existieren. Dann unterlagen sie jedoch endgültig einem Bündnis der Meder und Skythen.

Das Land der Meder erstreckte sich vom Zagros nach Osten bis nach Kermanshah und die medische Hauptstadt war Ekbatana. Die Meder waren wohl das erste wirklich bedeutende Königreich im Hochland, aber es wurden von ihnen keinerlei Schriftdokumente überliefert und man muss sich auf die historischen griechischen und assyrischen Quellen verlassen.
Der erste bekannte medische König war Deiokes (699-647 v. Chr.), welchem Phraortes (664-625 v. Chr.) folgte. Mit der skythischen Herrschaft hatten sie kriegerische Auseinandersetzungen und sie wurden stark genug, um gegen das mächtige Assyrien anzutreten, wo sie zusammen mit den verbündeten Babyloniern 612 v. Chr. deren Königsstadt Niniveh eroberten und damit das assyrische Weltreich zu Fall brachten. Als jedoch bald darauf der letzte medische König Astyages (585-550 v. Chr.) dem Perserkönig Kyros II. unterlag, ging das medische Reich unter.


 


 

 

Die Achämeniden und das erste persische Weltreich (550 – 330 v. Chr.)

Hakhamanish, nach dem die Dynastie der Achämeniden benannt wurde, gelang es, Anfang des 7. Jahrhunderts v. Chr., einige persische Stämme unter seiner Führung, in der Region Parsumash, zu vereinigen. Seine Nachfolger regierten das Land von der Provinz Fars aus, wobei eine feste Residenz nicht bekannt ist.

Kambyses I. (ca. 600-559 v. Chr.) gelang es durch eine Heirat das eigenständige medische Königreich an Persien zu binden. Sein Sohn Kyros II. (559-530 v. Chr.) schaffte es, den medischen König Astyages und das lydische Königreich zu besiegen. Nach Auseinandersetzungen mit den griechisch-ionischen Städten der kleinasiatischen Westküste, gelang es ihm bis zu den Grenzen Indiens vorzustoßen und neben Syrien und Palästina auch Babylon zu erobern. In den eroberten Gebieten handelte er sehr tolerant gegenüber den andersgläubigen unterworfenen Völkern und ließ sie die Tempel ihrer Gottheiten wiederaufbauen oder restaurieren, um sie auf diese Weise auch an sich und seine Besatzungspolitik zu binden. Er selbst regierte von den übernommenen Residenzen Ekbatana und Babylon aus, ließ aber in seiner persischen Heimat die erste achämenidische Residenzstadt, Pasargadae, bauen, in welcher er auch bestattet wurde. Kyros II. machte sich einen Namen, indem er die erste Menschenrechtscharta der Welt verfasste. 1971 wurde der Kyros-Zylinder von den Vereinten Nationen als "Erste Menschenrechtscharta" bezeichnet und in alle offiziellen UN-Sprachen veröffentlicht. Des Weiteren wurde eine Kopie des Zylinders gefertigt, welches heute im Hauptquartier der UN in New York ausgestellt ist. Das Original befindet sich im British Museum in London.



Kyroszylinder

Sein Sohn, Kambyses II. (530-522 n. Chr.), wurde sein Nachfolger und unternahm einen Feldzug nach Unterägypten, wo er das Heer des Pharaos besiegte. Von da an regierten über hundert Jahre persische Statthalter Ägypten als Teil des achämenidischen Großreichs.

Als sich Kambyses II. für längere Zeit in Ägypten befand, bemächtigten sich eine Reihe von Usurpatoren der Herrschaft. Mit Hilfe der Priesterkaste der Magier riss Gaumatar im Kernland die Macht an sich und errichtete eine blutige Gewaltherrschaft. Nachdem Kambyses II. auf seinem Rückweg nach Persien starb, erhob Darius I. (522-486 v. Chr.), welcher aus einer Nebenlinie der Familie stammte, Anspruch auf die legitime Herrschaft über das Reich der Achämeniden und konnte, nach der Heirat mit der Tochter von Kyros II., den Thron besteigen. Nach einem Jahr hatte er alle selbsternannten Gewaltherrscher in allen Teilen des Reiches beseitigt und die Ordnung wieder hergestellt.

Unter der Regierungszeit von Darius I. gelangte das Reich zu einer nie wieder erreichten Blüte. Die Wirtschaft, der soziale Friede und die Künste prosperierten innenpolitisch. Ebenso die Gleichstellung von Mann und Frau. Außenpolitisch expandierte das Land zur Weltmacht, es erstreckte sich vom Indus-Tal bis an die kleinasiatische Westküste und von den südrussischen Steppen bis nach Äthiopien und Libyen. Mit dieser Basis wollte man Griechenland angreifen, aber daran scheiterte Darius in der Schlacht von Marathon im Jahre 490 v. Chr.

Xerxes I. (486-465 v. Chr.), dem Sohn und Nachfolger von Darius I., gelang es ebenfalls nicht, die Griechen zu unterwerfen, sondern er verlor die Schlachten von Salamis, Plataiai und Mykale. Sein Sohn, Artaxerxes I. (465-424 v. Chr.), musste 448 v. Chr. in diesen Auseinandersetzungen einen von den Griechen diktierten Friedensvertrag unterzeichnen. Das immer noch große und mächtige Achämenidenreich wurde, nach der nur einjährigen Herrschaft Xerxes II., von Darius II. (423-404 v. Chr.) regiert. Als er gegen Ende seiner Regierungszeit Ägypten verlor, flammten überall im Land Unruhen auf und die Stabilität geriet ins Wanken. Und sowohl unter Artaxerxes II. (404-359 v. Chr.) als auch unter Artaxerxes III. (359-338 v. Chr.) lehnten sich immer mehr der Satrapien genannte Verwaltungseinheiten am Mittelmeer und in Kleinasien gegen die Achämeniden auf. Artaxerxes II. verlor zwar einige Gebiete, doch seinem Nachfolger gelang es die Unruhen in Phönizien zu beenden und Ägypten wieder seinem Herrschaftsbereich unterzuordnen.



Sphinx Darioush

Artaxerxes III. und der Thronfolger Arses wurden Opfer von Giftanschlägen, um Darius III. (335-331 v. Chr.) an die Macht zu bringen. Aber schon bald zog Alexander der Große in Babylon und Susa ein und die Zerstörung von Persepolis und die Eroberung der beiden Königsresidenzen Pasargadae und Ekbatana setzten dem achämenidischen Weltreich ein Ende.

Um das große Territorium und die unterschiedlichste Bevölkerung des Reiches zusammenzuhalten, bedurfte es einer straffen Verwaltung, einer wohldurchdachten Hierarchie und einer funktionierenden Infrastruktur. Der achämenidische Machtbereich wurde seit Darius I. in 20 Verwaltungseinheiten, den Satrapien, unterteilt, denen teilweise mehrere Volksgruppen angehörten. Statthalter jeder Satrapie war ein vom König persönlich ernannter Satrap, dieser konnte weitgehend selbständig regieren, war aber dem achämenidischen Herrscher abgabenpflichtig. So behielten die Völker ihre Sprachen in Wort und Schrift bei, die offiziellen Staatssprachen waren Babylonisch, Elamisch und Altpersisch, während die Verwaltungssprache des gesamten Reiches Aramäisch war.

Ein gut ausgebautes Straßennetz ermöglichte zwischen den Satrapien einen regen Handelsverkehr, und um diesen noch mehr zu vereinfachen, wurde die Idee des geprägten und mit einem Bild versehenen Münzgeldes geboren, welches sich von hier aus in der ganzen bekannten Welt verbreitete.

Die monumentale achämenidische Architektur baut auf die assyrischen und babylonischen Vorläufer aus Assur, Niniveh und Babylon ebenso auf wie auf die einheimischen aus Susa, Ekbatana und dem urartäischen Bastam. Die Paläste in Pasargadae entstanden unter Kyros II. und die in Susa und Persepolis unter Darius I.. Das einheitliche Grundschema und zentrale Element aller Palastanlagen bildete die große quadratische Empfangshalle. Das Dach dieser Hallen wurde von zahlreichen Reihen hoher Steinsäulen mit figürlich ausgestalteten Kapitellen getragen. Verwaltungs- und Schatzhäuser waren Teil dieser repräsentativen Regierungsgebäude und hinter diesen offiziellen Bauten lagen die Privatpaläste, mit den privaten Wohnungen des Herrschers und seiner Familie.

Durch das (Edel-) Metall- und Siegelschneidehandwerk wird besonders die achämenidische Kleinkunst repräsentiert und man kann zahlreiche Beispiele der persischen Goldschmiedekunst in Museen weltweit bewundern.

Trotz aller Eigenständigkeit der achämenidischen Kunst stammen viele Elemente aus fremden Kulturen, wie den Ländern Elam, Medien, Urartu, Babylon, Assyrien, Ägypten, den skythinischen Steppen und dem hellenistischen Griechenland. Doch nur eine selbst hochentwickelte Kultur wie die persisch-achämenidische kann die Vorzüge und Errungenschaften einer gleichwertigen fremden Hochkultur erkennen und integrieren.

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