Ja und Nein - Warum sie im Iran Menschenrechte verletzen (Juni 2014)

Ja und Nein - Warum sie im Iran Menschenrechte verletzen

Es gibt jene, die für Verbesserungen der Menschenrechtslage in der Iranischen Gesellschaft kämpfen. Doch sie sehen sich einer Gruppierung gegenüber, die den Anschein erweckt ein Wolf im Schafspelz zu sein. Die Mitglieder der Fraktion dieser Wölfe sind überzeugt von messianischen Ideologien im Sinne Ahmad Fardids und verbergen sich hinter einer Maske, die sie Islam nennen.

Das Netzwerk dieser Leute heisst Ammaryioun. Zwei einflussreiche Mitglieder dieser bedrohlichen messianischen Sekte sind Mehdi Taeb, Leiter des Ammar Think Tanks und Hossein Shariatmadari, Herausgeber der Tageszeitung Keyhan. Ihre Ideologie verspricht jenseitige Erlösung von irdischen Leiden und sieht für Nichteinsichtige und Andersdenkende Zwangsmassnahmen verschiedenster Art vor. Sie scheuen sich nicht internationales und selbst nationales Recht zu brechen, Andersdenkende zu verteufeln, mit erfundenen Anschuldigungen zu überhäufen und zu hetzen. Das Geschäft, das sie betreiben, heisst geistige Brandstiftung.

Andererseits könnte der neue Präsident Rohani sich als Held für kurze Zeit erweisen, der zumindest versucht die genannten "Wölfe" und ihre Absichten sichtbarer werden zu lassen, obwohl der Weg zum Respekt der Bürgerrechte und der Menschenrechte im Iran noch ein langer sein wird.

Doch warum sollte jemand im Iran ein Interesse haben Menschenrechte zu verletzen?

Wichtige Stützen des Velayat-e Faghi Führungsprinzips wie Makarem Shirazi, Ahmad Alamolhoda und Ahmad Khatami, propagieren ihre Überzeugungen immer wieder während der wichtigen Freitagspredigten. Sie betonen, dass die Bevölkerung sich hinter das Regime stellen muss, da dieses System ein Alleinstellungsmermal für sich in Anspruch nimmt den Weg zum Paradies zu ebnen - und wer nicht folgt sollte gezwungen werden. Nun, das ist eine unglaubliche Anmassung!

Leuten den Weg zum Paradies ebnen mag für viele attraktiv klingen, wenn man nur sehr oberflächlich auf ein solches Versprechen schaut. Für diese scheinbar noble Absicht Menschen den Weg ins Paradies zu ebnen, schreiben Kleriker für Leute anderer Glaubensvorstellungen oder Andersdenkender die Anwendung von Gewalt vor.

Wer gewohnt ist in engen Vorstellungen zu denken: "Doch warum sollte jemand nicht ins Paradies wollen und warum sollte die Regierung nicht den Menschen den Weg dorthin ebnen?"

Vielleicht gehen Menschen eigene Wege ins Paradies, vielleicht wollen sie gar nicht ins Paradies, vielleicht dies, vielleicht jenes. Diese Entscheidung sollte den Individuen und nicht einem System oder einer Regierung für die Menschen zu entscheiden überlassen sein.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen schreibt in Artikel 18:

"Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden."

Diese Erklärung beinhaltet, dass jeder Mensch das Recht und die Freiheit hat seine Religion, seinen Standpunkt und wie er das Paradies erreicht selbst wählt.

Wie wir eben von verschiedener Seite und von verschiedenen Vertretern ethnischer, religiöser und anderer Gruppen erfahren haben, ist dies nach wie vor nicht der Fall im Iran!

Denken Sie! Vor wenigen Tagen hat das Parlament in Teheran ein Gesetz verabschiedet, das Kleriker schützen soll, die zu physischer Gewalt und Vergewaltigungen aufrufen, wenn sich eine Frau in der Öffentlichkeit ohne die obligatorische Verhüllung zeigt. 

Darüberhinaus behindern die Anstrengungen der Ammaryioun Gruppe und seiner Mitglieder wiederholt Absichten und Schritte, die von der Regierung Rohanis versucht werden. 

Auf der einen Seite veranlasste Rohani die Freilassung von Frau Sotoudeh - vermutlich um sich auf internationaler Ebene einiges an Glaubwürdigkeit für die Verhandlungen um das Nuklearprogramm zu verschaffen - auf der anderen Seite setzen paramilitärische Kräfte im Dienst des Regimes Zerstörungen von Baha'i Friedhöfen fort oder greifen politische Gefangene im Evin Gefängnis an.

Einerseits durften Derwische nach 8 Jahren wieder ihre Schriften und Bücher veröffentlichen, auf der Teheraner Buchmesse ausstellen und bei öffentliche Konfernzen ihr Wissen beitragen, andererseits wird weiter Druck auf Nematollah Gonabadi Derwische ausgeübt. Willkürliche Verhaftungen, Verweigerung medizinischer Hilfe, Anwendung von Gewalt gegen Inhaftierte und Verurteilungen ohne Anhörungen sind immer noch gegeben. Hier nur einige Namen domumentierter Fälle: Seyed Ebrahim Bahrami, Mohammed-Ali Dehghan-Borki, Mohsen Esmaili, Kasra Nouri, Mohammad Ali Sadeghi, Abbas Salehian-Barzeki, Farshid Yadollahi, Omid Behrouzi.

Herr Rohani scheint gegen Windmühlen zu kämpfen, wenn er an die Adresse der Freitagsprediger gerichtet, deren krude Ansichten über die Pflicht der Regierung, die Bevölkerung zur Befolgung bestimmter als Islamisch bezeichneten Regeln zu zwingen, damit allen der Weg ins Paradies geebnet werde: "Manche Leute gehen offensichtlich keinen wichtigeren Aufgaben nach. Sie haben keine Arbeit, keinen Beruf, geben sich Täuschungen hin und sorgen sich unaufhörlich über den Glauben der Bevölkerung und deren Leben nach dem Tod. Weder wissen sie was Religion ist noch ein Leben nach dem Tod, aber sie sorgen sich unaufhörlich darum."

Wenn wir nun fragen: "Gibt es eine Verbesserung oder eine Verschlechterung der Menschenrechtssituation im Iran, seit die neue Regierung an der Macht ist?" - könnte ein Teil der Wahrheit Ja sein, aber sicherlich wiegt das Nein stärker. 

Viel wichtiger jedoch sind die Signale der internationalen Gemeinschaft für die leidende Bevölkerung im Iran und natürliche die Signale an die Vertreter eines Systems, die ihre Ansichten wie das Paradies zu erreichen sei gnadenlos jedem Individuum überstülpen wollen.

Solche Unterdrückungen zur Sprache bringen, wie es Ahmad Shaheed kürzlich zusammen mit weiteren Menschenrechtsbeauftragten seine Stimme getan hat, ist nach wie vor nötig und sollten ruhig häufiger geschehen. Auch unter dem Eindruck vieler erschütternder Konflikte in anderen Regionen der Welt, sollte die weltweite Aufmerksamkeit in Bezug auf Iran nicht nachlassen.

Zum Schluss lade ich Sie alle ein, den berühmten Ratschlag des iranischen Dichters Sa'adi an seine Landsleute zu beherzigen: "Wenn die Ameisen ihre Kräfte vereinen, werden sie mit Leichtigkeit die Wölfe überwinden." - und fügen wir noch hinzu - sogar die Wölfe im Schafspelz.

Helmut N. Gabel für mehriran.de

Quelle: http://mehriran.de/artikel/ja-und-nein-warum-sie-im-iran-menschenrechte-verletzen.html

 

 

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